Samstag, 24. Oktober 2015

"La diversità e la unità nella synodalità" der Konsens der 'Relatio finalis' und die Ermutigung zur pastoralen Unterscheidung in einer synodal verfassten Kirche

Zum Abschluss: das Te Deum nach der Abstimmung im Synodenplenum
(Bild: © Mazur/catholicnews.org.uk )
 L'Esprit Saint a bien soufflé - Der Heilige Geist hat gut geweht“, sagte Fr. Hervé Janson, der als Generalprior der Kleinen Brüder Jesu neben den gestern schon angekündigten Kardinälen Christoph Schönborn und Raymundo Damasceno Assis als Gast in der mittäglichen Pressekonferenz geladen war. Und er wehte wohl nicht minder auch am Nachmittag: Denn nachdem das entsprechend den gestrigen Rückmeldungen überarbeitete Abschlussdokument (vgl. dt. Arbeitsübersetzung) – in der Reihenfolge seiner drei, der Struktur des Vorbereitungsdokumentes entsprechenden Teile – bereits am Vormittag von Kardinal Assis, Kardinal Péter Erdö und dem Spezialsekretär, Erzbischof Bruno Forte, in der Synodenaula vorgetragen worden war, folgte am Nachmittag die mit Spannung erwartete Abstimmung aller 94 Absätze in einer Einzelabstimmung. Und entsprechend der Synodenordnung wurde eine Zweidrittelmehrheit von mindestens 177 (bei 265 anwesenden Synodalen) benötigt und tatsächlich erreicht, die notwendig war, damit das Dokument als Ganzes dem Papst als Beratungsergebnis dieser Bischofssynode übergeben werden konnte.

Freitag, 23. Oktober 2015

Eine Kirche voller Zärtlichkeit für alle Menschen … der Beginn einer neuen Kirche!"
                               Eine Synode, die die Kirche für Zärtlichkeit öffnet

Dies sagte der belgische Erzbischof von Gent, Lucas Van Looy, in seinem Schlussstatement der heutigen Pressekonferenz, das er in ähnlicher Weise auch in der Synodenaula vorgetragen habe. Er wie auch die beiden anderen zum vorletzten Pressebriefing dieser Synode geladenen Gäste, Kurienkardinal Peter Turkson (Ghana) und der kanadische Kardinal Gérald Cyprien Lacroix, Erzbischof von Quebec, bestätigten, dass die Synodenversammlung den Entwurf des 'ratio finalis' genannten Abschlussdokumentes mit hoher Zufriedenheit und Dankbarkeit aufgenommen hätten. 1135 Änderungsanträge – die meisten zum dritten Teil des Arbeitsdokumentes 'Instrumentum laboris' – hat das zehnköpfige Redaktionsteam berücksichtigt und eingearbeitet.

Donnerstag, 22. Oktober 2015

Erste Lesung der Relatio finalis – „Wir können nicht einfach 'Familiaris consortio' wiederholen.“

Ein Mitglied der zehnköpfigen Synodenkommission, die für die Fertigstellung des Abschlussdokuments zuständig ist, der indische Kardinal Oswald Gracias (Erzbischof von Mumbai), verriet heute in der Pressekonferenz, dass es der ursprüngliche Plan gewesen sei, die den Synodalen heute Nachmittag vorgelegte Relatio vorzulesen. Stattdessen führte der Generalrelator Kardinal Péter Erdö in die Grundgedanken und Struktur der Textvorlage der Relatio finalis ein, nachdem der Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Baldisseri, zuvor die Arbeitsweise der zehnköpfigen Textkommission erläutert hatte. Das eingehende Studieren des um die 100 Paragraphen umfassenden Abschlussdokumentes ist damit in der 1. Lesung der privaten Lektüre am heutigen Donnerstagabend bzw. dieser Nacht vorbehalten, bevor der Text morgen Vormittag in der Generalversammlung in einer offenen Debatte zur Diskussion gestellt wird.

Synodale der XIV. Ordentlichen Bischofssynode bei der Lektüre (Bild: © Mazur/catholicnews.org.uk)


Mittwoch, 21. Oktober 2015

„Überlegungen und Vorschläge für den Heiligen Vater, Papst Franziskus“ und über die Sorge, „dass der Text sich durch das Einfügen von Änderungen dramatisch verändert.“

Dass der letzte Bericht der deutschen Arbeitsgruppe mit dem Titel „Überlegungen und Vorschläge für den Heiligen Vater, Papst Franziskus“ überschrieben ist, berichtete Kardinal Marx – anders als im vergangenen Jahr in englischer Sprache - auf der heutigen Pressekonferenz, zu der auch der irische Primas, Erzbischof Eamon Martin, und Montevideos Kardinal Daniel Fernando Sturla Berhouet (Uruguay)  eingeladen waren.
Kardinal Daniel Sturla Berhouet, Kardinal Reinhard Marx, Federico Lombardi (v.l.)

Dienstag, 20. Oktober 2015

Die  bei  weitem  beste  und  offenste  Synode,  die  ich  erlebt  habe.“
(Kardinal Christoph Schönborn)
 

Dass die Synodalen mit den Gästen, Beratern und brüderlichen Delegierten in einem sehr guten „Klima der Synodalität“ (Kardinal Martínez Sistach) in den Plenarphasen, aber besonders intensiv in den Kleingruppen zusammengearbeitet hätten, war heute die einmütige Botschaft der zur Pressekonferenz eingeladenen Gäste in Bezug auf den Abschluss der 'Circoli minori' zum III. Teil des Instrumentum laboris. Neben Kardinal Sistach, dem Erzbischof von Barcelona, bestätigte auch der ebenfalls bereits von der III. Außerordentlichen Bischofssynode bekannte Erzbischof von Durban (Südafrika), Kardinal Wilfried Fox Napier, die sehr gute Arbeitsatmosphäre: Nachdem Papst Franziskus zu Beginn der ersten Synodenwoche seine letzten Bedenken an einem transparenten Arbeiten der Synode eindrucksvoll ausgeräumt hatte, ist der – zusammen mit den ebenfalls in den Pressebriefings der vergangenen Wochen bereits erlebten Kardinälen Vingt-Trois, Tagle und Assis – Präsident der Synode nun voll des Lobes:


Bild : Kardinal Christoph Schönborn, Moderator des 'Circulus Germanicus'

The new Synod procedure is a great help because it leaves plenty of time for reflection in the language groups. It gives us the chance to exchange views with people from different parts of the world, as well as lay auditors and fraternal delegates”. (Vatican Insider 20.10.2015)
Die neue Synoden-Prozedur ist eine große Hilfe, weil sie viel Zeit für die Refelxion in den Sprachgruppen lässt. Sie gibt uns eine Chance zum Gedankenaustausch mit Menschen von unterschiedlichen Teilen der Welt, ebenso mit Laien-Hörern und den brüderlichen Delegierten.“ (eigene Übersetzung)
Wenn die Synode bereits vor ihrem Ende – und beinahe von allen Gästen der Pressekonferenzen - aufgrund der neuen Kleingruppen-Arbeitsstruktur gelobt wird, wird ihr möglicher Erfolg sicherlich am meisten der hier geleisteten Text-, Moderations-, Übersetzungs- und vor allen Dingen Beziehungsarbeit unter- und miteinander zu verdanken sein. Einer der in den Kleingruppen gewählten Moderatoren war in der deutschen Sprachgruppe der Erzbischof von Wien, Kardinal Christoph Schönborn, für den diese Bischofsversammlung „die bei weitem beste und offenste Synode gewesen ist“, die er bislang erlebt habe. (Kathpress 19.10.2015) Dazu hat er selbst bereits eine Menge beigetragen durch seine theologische Weite und Tiefe in der Rede beim Festakt des Synoden-Jubiläums am vergangenen Samstag, aber auch schon vorher im Synodenplenum der ersten Arbeitswoche, in der er seine integrierende Kraft unter Beweis stellte, wie es Abtpräses Jeremias Schröder in seinem Synodenblog am 12.10. 2015 beschrieb:
Segensreich sind da Männer wie Kardinal Schönborn, der es schafft, eine kontroverse Äußerung aufzugreifen und zu würdigen, und dann so zu wenden, dass die ganze Synode dahinterstehen kann. Zum Ende der Synode hin wird das hoffentlich noch öfter gelingen, auch bei den ganz großen Fragen.“
Und mit Sicherheit ist auch und gerade ihm der erfolgreiche Verlauf der mit Spannung verfolgten deutschen Sprachgruppe zu verdanken, dessen einfühlsame und kluge Moderation auch in dem mir gestern Abend zugesandten Bericht unseres aus Deutschland in Rom teilnehmenden Ehepaares Petra und Aloys Buch erwähnt wird.
Was ist nicht alles vermutet, behauptet, erwartet worden von der einzigen deutschsprachigen Gruppe unter den ‚Circoli minori‘ der ‚Familien-Synode‘. Aber dann kam manches ganz anders: der englische Kardinal Vincent Nichols war nicht der Einzige, den Dichte und Tiefgründigkeit der ersten Arbeitsergebnisse ‚der Deutschen‘ überzeugt haben. Aber das eigentlich Überraschende war etwas anderes. Zu Beginn hatte der Moderator die Frage, ob auch die ‚Auditoren‘ aktiv beitragen sollten, mit einer ausdrücklichen Einladung zur Mitwirkung beantwortet. Je mehr es dann ‚zur Sache‘ ging, umso intensiver wurden alle Zirkel-Teilnehmer ‚Hörer‘. Die gemeinsame Suche nach Klärungen und treffenden Formulierungen erforderte präzises Sprechen, sie verlangt vor allem genaues Hinhören auf Einschätzungen, Voten und Argumente. Was man aus Trockenübungen zur Problemlösung in Familien, Verbänden und Unternehmen kennt, wurde hier von Synodenvätern, Experten und Auditoren aus sechs Ländern im Mühen um eine gemeinsame Sprache praktiziert. Zentral waren nicht unterschiedliche Verantwortlichkeiten und Funktionen, sondern das Miteinander in ernstem und respektvollem Dialog. Das sorgsame Hinhören war wohl das eigentliche Geheimnis für das Beratungsergebnis. Eine wunderbare Erfahrung für alle, die dies miterlebt haben.“
Auch Bischof Bode äußerte sich heute kurz vor Abschluss der letzten Kleingruppenphase in einem Interview. Auf die Frage – nach der großen Anerkennung auf den einstimmigen Bericht der deutschsprachigen Arbeitsgruppe zum II. Teil des Instrumentum laboris –, ob der deutsche 'Circulus Minor' mit seinen theologischen Schwergewichten, u.a. neben Kardinal Schönborn, Kardinal Walter Kasper, Kardinal Kurt Koch, Kardinal Reinhard Marx auch der Glaubenspräfekt Kardinal Gerhard Ludwig Müller, aufgrund des vorausgegangenen, theologisch ausgefeilten Zwischenberichts  bei dieser Synode womöglich den Ausschlag geben könnte, sagte er:
Diese Erwartung wurde von außen geschürt wegen der wissenschaftlichen Qualität vieler ihrer Mitglieder und der Unterschiedlichkeit der Positionen. Ich hoffe, dass unser Ringen um Begriffe und den richtigen Weg für viele eine Hilfe sein kann, die sich über einige Punkte noch nicht im Klaren sind. Wenn eine Gruppe mit so verschiedenen Ansichten wie die deutschsprachige in ihren Texten zu einmütigen Ergebnissen kommt, kann sich das womöglich auf die ganze Synode übertragen.“ (domradio 20.10.2015)
Davon ist auch das Ehepaar Buch überzeugt:
Papst Franziskus hat anlässlich des Rückblicks auf 50 Jahre seit Einrichtung der heutigen Form von Bischofssynoden vom ‚synodalen Weg der Kirche‘ gesprochen. Welche Chancen diese beinhaltet, aber auch welche Anstrengungen dies erfordert, wird bei dieser Synode nicht nur in der großen Aula deutlich – dafür bietet in diesen Tagen der konzentrierte, hinhörende Dialog im deutschsprachigen ‚kleinen Zirkel‘ ein besonders eindrucksvolles und mutmachendes Beispiel."
Papst Franziskus machte zu Beginn des Tages ebenfalls allen Mut. Und ich zitiere ihn in Verbindung mit einer persönlichen Erinnerung an Kardinal Schönborn, dem ich im WS 89/90 in Fribourg den mein Leben prägenden Hinweis verdanke, dass der zentrale Begriff der Erlösungslehre bei Thomas von Aquin 'Freundschaft' sei. Und genau dieser Gedanke war heute auch Thema in der morgendlichen Predigt von Papst Franziskus im Gästehaus St. Martha, in der das Motiv der diese Synode prägenden, barmherzigen und zärtlichen Liebe auch über den zitierten Absatz hinaus anklingt:
"Unsere Rettung", erklärte Papst Franziskus, "liegt in dieser Freundschaft zwischen uns und Gott." Und er fährt fort:
Come dà Dio, in questo caso l’amicizia, la salvezza tutta nostra? Dà come dice che darà a noi quando facciamo un’opera buona: ci darà una misura buona, pigiata, colma, traboccante… Ma questo fa pensare all’abbondanza e questa parola, ‘abbondanza’,  in questo brano viene ripetuta tre volte. Dio dà nell’abbondanza fino al punto di dire, Paolo, come il riassunto finale: ‘Dove abbondò il peccato sovrabbondò la grazia’. Sovrabbonda, tutto. E questo è l’amore di Dio: senza misura. Tutto se stesso”. (Radio Vatikan vom 20.10.2015)
Wie schenkt uns Gott seine Freundschaft, sein Heil an uns alle? Er gibt sie uns, wenn wir eine gute Tat tun. Er gibt sie uns im vollen Maße, bis zum Rand, überbordend. Das lässt uns an Überfluss denken – und das Wort Überfluss wird dreimal in der Lesung wiederholt. Gott gibt im Überfluss bis zu dem Punkt, von dem Paulus schreibt. Und wo die Sünde übermächtig wurde, war die Gnade immer größer. Sie durchwirkt alles. So ist die Liebe Gottes: ohne Maß. So wie es ihr eigen ist." (eigene Übersetzung) 

 

Montag, 19. Oktober 2015

The one thing that's certain about next Sunday is that we might have finish the task. The journey will continue! 

Diese auch auf die synodale Struktur der Kirche gemünzte Feststellung machte der australische Erzbischof von Brisbane, Mark Coleridge, der zusammen mit dem italienischen Erzbischof von Parma, Enrico Solmi,  und dem Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Fouad Twal, zu der heutigen Pressekonferenz geladen war.
Erzbischof Enrico Solmi, Erzbischof Mark Coleridge,
Patriarch Fouad Twal und P. Federico Lombardi (v.l.)


Die Arbeit der Synode hat Erzbischof Coleridge im Vergleich zu den bisherigen Synoden als einen Wechsel von einem 'wohlorganisierten Event' zu einem 'arbeitsreichen Prozess' erlebt, der aber – trotz verschiedenster Herausforderung und mancher Konfusion – eine 'faszinierende Reise' sei. Schon jetzt ist er sich aber sicher, hinsichtlich der von ihm als beeindruckend und spektakulär erlebten Ansprache des Papstes über die Synodalität der Kirche aus Anlass des 50 jährigen Synoden-Jubiläums, dass sie ein Höhepunkt der Synode gewesen ist und ggf. auch die Arbeit der Kleingruppen heute und morgen stimulieren werde.

Wie aber jetzt genau in dieser letzten Synodenwoche all die einzelnen Punkte mit zum Teil schwierigen pastoralen Einzelfragen des III. Teils des Instrumentum laboris in seiner eigenen Kleingruppe diskutiert und zu Vorschlägen ausgearbeitet und mit den anderen 13 Arbeitsgruppenergebnissen zu einem gemeinsamen Text zusammengefasst, vorgetragen und in dem Gesamttext aller drei Teile zur Abstimmung gebracht werden können, formuliert Erzbischof Coleridge – als Relator für seine Sprachgruppe 'Englisch C' als offene Frage. Doch jenseits der vielen Einzelfragen und -themen ist für ihn gewiss:
But I think that there is a confidence deep down that something can emerge from the process of fermentation."
“Ich denke, es gibt eine tiefgehende Überzeugung, dass etwas aus dem Fermentierungsprozess entstehen könne."
Was er damit meint, wird durch eine bereits in der Pressekonferenz am Samstag von dem spanisch sprechenden Pressesprecher Manuel Dorantes berichteten Episode auf Nachfrage noch einmal deutlich. Ein mexikanischer Bischof hatte in einem Statement von einem Jungen berichtet, der bei seiner Erstkommunion seinen wiederverheiratet geschiedenen Eltern ein Stück von seiner Hostie abgab. Diese Geschichte habe viele Synodalen angerührt und stand als  eines von vielen Beispielen aus der Lebenswirklichkeit von Menschen für die Notwendigkeit des diese Synode kennzeichnenden pastoralen Ansatzes, der bei speziellen und kulturspezifischen Themen – wie es der Sakramentenempfang von wiederverheiratet Geschiedenen etwa in einigen Teilen der Welt bedeutet – in vielen Fällen nur auf eine Einzelfallerwägung (pastoral approach on a 'case by case'-basis) herauslaufen könne.

In allem sei das gelebte Vorbild in Wort und Tat von Papst Franziskus für die Synode entscheidend, auf alle Themen “mit den Augen des Herrn” zu schauen (wie Erzbischof Solmi sagte), "anstatt sich in wunderschönen Diskursen zu ergehen, die aber keine Wurzeln mehr auf den Boden der menschlichen Erfahrung zu schlagen vermögen."
Otherwise we indulge in a discourse which is beautiful in itself, but not pull down roots on the soil of human experience.” (Erzbischof Coleridge)
Mit diesem pastoralen Ansatz, der jenseits einer enthobenen Kirchensprache (Church speak) sich auch um eine wertschätzende und ermutigende Sprache (new language) bemüht, werden die Eingaben der Sprachgruppen für Erzbischof Coleridge sicher viele Vorschläge für das Schlussdokument zusammentragen. Umgekehrt steht – um den Titel dieses Blog-Beitrages noch einmal aufzunehmen – nicht nur für ihn, sondern auch für P. Bernd Hagenkord bereits jetzt schon fest, dass “der Weg nicht mit der Synode endet”:
Immer wieder wurde in der Synode der Ursprung des Wortes betont, „Σύνοδος/Synodos“, „gemeinsam unterwegs sein“ oder auch „Reisegesellschaft“. Dementsprechend ist Synode weniger ein dreiwöchiges Ereignis als vielmehr Teil eines synodalen Prozesses, den der Papst will. Und dieser Weg wird am kommenden Wochenende nicht zu Ende sein. (...)
Ganz gleich, was der Ratschlag an den Papst sein wird, alles muss danach den Weg gehen, den es gekommen ist: zurück in die Ortskirchen. Nicht das Papier zählt, sondern was dann der Papst entscheidet und was dann vor Ort gelebt wird. Wirklichkeit ist wichtiger als Idee, sagt der Papst, das konkrete Leben der Ortskirche ist wichtiger als bedrucktes Papier, übersetze ich, oder besser: was das Papier kann, zeigt sich erst vor Ort.” (Radio Vatikan vom 19.10.2015)

Auf ein weiteres, schon jetzt festzuhaltendes Ergebnis wies heute in einem Interview der bereits zum achten Mal teilnehmende Erzbischof von Washington, Kardinal Donald Wuerl hin, bevor er seinen Ärger über einige Bischöfe ausdrückt, denen immer noch am liebsten sei, dass über viele der in Frage stehenden Themen gar nicht erst gesprochen würde:
...but for me the great accomplishment of this Synod, was to say to the whole world, in the Catholic Church, the Pope was telling us there is room for discussion. The principle of God’s love and bringing people to God, is the norm. We need to understand how we bring people to God." (Vatican Insider 19.10.2015) 

Die große Leistung dieser Synode war es, der ganzen Welt zu zeigen, dass der Papst uns darauf hinweise, dass  es in der katholischen Kirche Raum für Diskussion gibt. Das Prinzip der Liebe Gottes und Menschen in die Begegnung mit Gott zu bringen, ist die Norm. Wir müssen verstehen lernen, wie wir Menschen zu Gott bringen.” (eigene Übersetzung)

Sonntag, 18. Oktober 2015

Über den Primat des Papstes, die Mitte des Evangeliums „unendlicher Zärtlichkeit“ und warum deshalb das heute heiliggesprochene Ehepaar in der Predigt des Papstes kaum zu Wort kam

Noch nicht einmal zwei Sätze seiner Predigt widmete Papst Franziskus direkt dem heute heiliggesprochenen Ehepaar Louis Martin und Marie-Azélie Guérin, den Eltern der Hl. Thérèse von Lisieux. Aber ihr Lebenszeugnis stand dennoch im Mittelpunkt, als Papst Franziskus mit großem Ernst und beinahe als Verstärkung seiner gestrigen Ansprache auf die Mitte des Evangeliums zu sprechen kam.
 
Screenshot aus der Heiligsprechungsmesse am heutigen 18.10.2015 in Rom

Samstag, 17. Oktober 2015

Der Weg ist das Ziel: oder Kollegialität und Synodalität als Wesensvollzug einer sich erneuernden Kirche
Der Festakt aus Anlass von 50 Jahren Bischofssynode wurde für die anwesenden Synodenväter und zahlreichen Gäste in der Audienzhalle Paul VI. zu einer Lehrstunde über „die Synode als Ort der Manifestation der bischöflichen Kollegialität, der Erneuerung der Kirche in Treue zum Evangelium und des unberechenbaren Wirkens des Heiligen Geistes“, wie der  Generalsekretär der Bischofssynode Kardinal Lorenzo Baldisseri Papst Franziskus aus seiner Ansprache zur Eröffnung der Generaldebatte der Bischofssynode am 5.10.2015 zitierte.
Papst Franziskus in seiner historischen Ansprache über die "Synodalität,
welcher der Weg ist, den Gott von seiner Kirche im 3. Jahrtausend erwartet."


Freitag, 16. Oktober 2015

In the Heart of the Synod is human Sexuality – Im Herzen dieser Synode ist die menschliche Sexualität

Bereits auf der vergangenen III. Außerordentlichen Synode – wie im Blog-Beitrag am 9.10.2014 zitiert – hatte es das Thema Sexualität schon unter die 'Top 5' der ersten Synodentage gebracht:

Donnerstag, 15. Oktober 2015

Mission impossible – oder wie ich ein hinweisendes Zeichen auf Jesus, ein Zeuge seiner liebevollen Umarmung bin

 
Mission impossible“, sagte Pressesprecher Federico Lombardi angesichts der Aufgabe, die 93 Redebeiträge in einer einstündigen Pressekonferenz vorzustellen und im Pressegespräch zu vertiefen. Neben Federico Lombardi kamen jeweils für die verschiedenen Sprachgruppenbeiträge – wie schon zu Wochenbeginn, als die Redebeiträge zum II. Teil des Instrumentum laboris kurzgefasst wurden – Romilda Ferrauto (französisch), Manuel Dorantes (spanisch), Thomas Rosica (englisch) und P. Bernd Hagenkord (italienisch) zu Wort. P. Hagenkord berichtet von den wichtigsten Inhalten:

Mittwoch, 14. Oktober 2015

Le synode est une chance non seulement pour l'église, mais pour le monde entière - Die Synode ist eine Chance nicht nur für die Kirche, sondern für die gesamte Welt!
Kardinal Philippe Ouédraogo, Kardinal Rubén Salazar Gomez, Kardinal Vincent
Nichols und Pressesprecher Federico Lombardi SJ (v.l.; Bild: HolySeePress)
Diesen Satz sagte der zum dritten Mal an einer Bischofssynode teilnehmende Kardinal Philippe Ouédraogo, Erzbischof Ouagadougou (Burkina Faso) in einem Statement innerhalb der heutigen Pressekonferenz, in der er die Bedeutung des gemeinsamen Austausches, des voneinander Lernens und des Teilens der gemeinsamen Probleme und Herausforderungen auf der Ebene der Weltkirche beschrieb. Ein Gedanke fällt auch in seinem Bericht zum wiederholten Male als Beitrag des afrikanischen Kontinents, den schon Erzbischof Charles-Gabriel Palmer-Buckle aus Accra (Ghana) bei der Pressekonferenz am 8.10.2015 erwähnt hatte - wie in diesem Blog festgehalten - und gestern gegenüber Radio Vatikan ausführlicher beschrieb:

Dienstag, 13. Oktober 2015

"Das Ambiente ist heiter. Die Kleingruppen haben einen zivilisierenden Einfluss auf die Synodenmitglieder... Räumlich nah und eng beieinander, geht man mit Argumenten aufeinander ein, statt in einen Gegensatz abstrakter Ideen zu verfallen."

Dies sagte Abtpräses Jeremias Schröder heute ebenfalls mit benediktinischer Heiterkeit auf Italienisch in der Pressekonferenz, in der auch bekannt wurde, dass der auch zu Synodenbeginn mit deutlicher Kritik an den neuen Strukturen der diesjährigen Synodenarbeit vorgepreschte Kardinal Pell nach einer Woche Kleingruppenarbeit mittlerweile auch von einer guten Arbeitsatmosphäre spricht.
 
Thérèse Nyirabukeye (Ruanda), Moira McQueen (Kanada) Abtpräses Jeremias
 Schröder OSB und Pressesprecher Federico Lombardi SJ (Bild: HolySeePress)

Montag, 12. Oktober 2015

Auch alte 'Synodenhasen' - ich habe heute jemanden getroffen, der ist schon auf seiner achten Synode hier - sagen mir: Das ist eine Revolution, das ist jetzt ganz anders!"

Vielleicht meinte der als  Delegierter der Ordensoberen gewählte deutsche Synodale, Abtpräses Jeremias Schröder OSB, in seinem Interview gegenüber dem offiziellen Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland 'Katholisch.de' den bereits erwähnten, ebenfalls zum achten Mal an einer Bischofssynode in Rom teilnehmenden Erzbischof von Washington, Kardinal Donald Wuerl, der gerade heute in einem von Seiten des Presseamtes des Vatikans veröffentlichten Videointerview die von Papst Franziskus weiterentwickelte Form der Synodalität gleichermaßen euphorisch lobte.
The last two synods - the one that proceeded and this one - are really great, great improvements. It's in a way a revolution. We're watching the development of the Synod! […]  I think it's a great step forward!.”
All dies wäre eine Wiederholung der vielen bereits zitierten Gedanken der Synodenväter, Berater und Gäste, wenn nicht ein - bereits durch die gezielte Vorveröffentlichung der Enzyklika 'Laudato Si'' diskreditierter Papstkritiker mit der Veröffentlichung eines vermeintlich von 13 Kardinälen unterzeichneten 'privaten' Schreibens an Papst Franziskus seinen Namen noch einmal mehr desavouiert hätte, in welchem sich diese Kardinäle früher erlebte, überkommene Synodenstrukturen zurückwünschten, aber auch unterstellten, dass mit den neuen Strukturen der Arbeit in Sprachgruppen und den neuen Formen der Beteiligung im Grunde nur die Existenz vorgefertigter Ergebnisse zu wichtigen und auch umstrittenen Themen kaschiert werden sollte.

Dass solche Vermutungen und Indiskretionen bewusst lanciert werden und von den immer selben Foren vermeintlich sachlich 'diskutiert' werden , nachdem Papst Franziskus in der Synodenaula allen 'konspirativen Verschwörungstheorien' in einer direkte Begegnung am Dienstagvormittag den Wind aus Segeln genommen hatte und die Arbeit der Synode gut vorangeschritten ist, nun eine Woche später von außen neu gezündelt werden, dient demselben, leicht durchschaubaren, aber böswilligen Motiv: dem schon in der vergangenen Woche misslungenen Versuch, die Arbeit der Synode bewusst von außen zu stören und unverhohlen dem Papst persönlich darin zu schaden.

Denn nicht von ungefähr kommen die Störmanöver zu einer Zeit, in der die Synode sich in der Generaldebatte seit Samstag und nach der Arbeit in den Kleingruppen an den ersten beiden Arbeitstagen dieser zweiten Synodenwoche fortgesetzt am kommenden Mittwoch sich denjenigen Fragen widmet, die zu den im Vorfeld am meisten diskutierten gehörten. Pater Bernd Hagenkord, der heute als Berichterstatter aus der Synodenaula  beim Pressebriefing in italienischer Sprache die wichtigsten Gesprächspunkte der insgesamt 43 freien Redebeiträge vorstellte, berichtete neben der einheitlich begrüßten, verstärkten Betonung der Ehevorbereitung (preparatio) und der gegenüber dieser in weiten Teilen der Welt beinahe noch mehr vernachlässigten Ehebegleitung (formatio) auch von den im Vorfeld des zweijährigen synodalen Prozesses kontrovers diskutierten offenen Fragen: 
„Auch zu den eher umstrittenen Themen des dritten Teil wurde gesprochen, zur Frage, wie eine offene und willkommen heißende Kirche praktisch aussehen könne. Gerade zum Sakramentenzugang für wiederverheiratete Geschiedene gab es alle Positionen: „geht gar nicht und kann auch nicht“ bis hin zu „wir müssen da was tun“. Warum dürfe zum Beispiel ein laisierter und verheirateter Priester zur Kommunion gehen?, fragte ein Synodaler. Das Handeln der Kirche sei oft nicht verstehbar." (Radio Vatikan 12.10.2015)

Pater Federico Lombardi überraschte auf der Pressekonferenz mit der Feststellung, auf die heute auch Erzabt Jeremias Schröder in seinem Synodenblog hinwies, dass die Diskussion zudem gezeigt habe, dass "es keine absolute Festigkeit der Lehre der Kirche und der Theologie über die Fragen der Ehe und des Sakramentes der Eheschließung gebe" bzw. "ein gewisses historisches Bewusstsein bestehe, dass es Änderungen im Laufe der Jahrhunderte zu den Themen gegeben habe“, wie sie auch an einigen Beispielen der letzten Jahrzehnte in diesem Blog am 19.4.2015 aufgeführt wurden.
 
Der aus den USA stammende Assistent von Pressesprecher Lombardi, Pater Thomas Rosica zitiert ein in der Ursprungssprache Englisch unter die Haut gehendes Statement in seinem Bericht des Pressebriefings heute, indem er einen Synodenvater zitiert, für den "die beiden Extreme, die beiden Pole, alles zu ändern oder nichts, keine Option" sei:
We have before us the great feel: The pastoral possibilities, a great scope of pastoral creativity. And we can no longer speak of the ways we've been speaking about the things. The old way was 'Truth in public' and 'Mercy in private'. That no longer holds. Also the same expression: 'Condemn the sin and not the sinner'- That no longer holds. We have to find new ways to expressing this things that people can understand them."  […]  
The Church must be an accompanying mother who does not reject anyone  […].  And the key is to remain firm and theological principals, but to make ecclesiastical discipline flexible and not impossible for pastoral difficult or near impossible situations. The topic of new family structures arose. There are all kinds of new family structures that are in play. And the church is in the midst of them. We've single parent families. Parents of mixed-faith families. Families of same sex couples. Famlies with without the close support of grandparents or the absence of grandparents. Families of grandparents and children without the presence of parents. Families that are separated by continual migration or refugee difficulties in the world. Intergenerational poverty. Many Families are simply left out of our pastoral strategies. […]  We have to reach out to those who do not fit our traditional categories. New families can no longer remain eliminated from the church. And the church cannot remain absent from these new situations." (eigene Verschriftlichung)
Wir haben vor uns eine große Ahnung: Pastorale Möglichkeiten, eine große Breite pastoraler Kreativität. Wir können nicht mehr wie früher über die Dinge sprechen. Der alte Weg war 'Wahrheit in der Öffentlichkeit ' und 'Barmherzigkeit im Privaten". Das geht nicht länger. Und der gleiche Ausdruck: "Die Sünde verurteilen und nicht den Sünder', geht auch nicht mehr. Wir müssen neue Wege finden, um die Dinge auszudrücken, damit die Menschen sie auch verstehen können.  […]  
Die Kirche muss eine begleitende Mutter, die niemanden zurückweist […] . Und der Schlüssel ist, feste und theologischen Prinzipien zu haben, aber die kirchliche Disziplin flexibel zu gestalten um pastoral schwierige oder fast unmögliche Situationen nicht unmöglich zu machen.
Das Thema der neuen Familienformen ist ebenfalls aufgekommen. Es gibt alle Arten von neuen Familienformen, die neu dazu kommen. Und die Kirche ist in der Mitte von ihnen. Wir haben Alleinerziehende Familien. Eltern interreligiöser Familien. Familien mit gleichgeschlechtlichen Paaren. Familien ohne die enge Unterstützung der Großeltern oder mit der Abwesenheit von Großeltern. Familien mit Großeltern und Kindern ohne die Anwesenheit der Eltern. Familien, die durch kontinuierliche Migrations- oder Flüchtlingsschwierigkeiten in der Welt voneinander getrennt sind. Intergenerationelle Armut. Viele Familien fallen einfach aus unseren pastoralen Strategien heraus. […]  Wir müssen es schaffen, auch diejenigen zu erreichen, die nicht in unsere traditionellen Kategorien passen. Neue Familienformen dürfen nicht mehr aus der Kirche eliminiert werden. Und die Kirche kann nicht mehr abseits bleiben von diesen Situationen."
(eigene Übersetzung)

Dass diese Themen auf dieser Synode in neuer Weise in den Blick kommen und angesprochen werden, bezeichnete ein ebenfalls als Gast der Pressekonferenz eingeladenes, brasilianisches Ehepaar, Ketty und Pedro De Rezende, im Anschluss an den dichten, eindrücklichen Bericht der Pressesprecher zu den ersten Redebeiträgen des III. Teils des Instrumentum laboris, als 'historischen Moment in der Geschichte der Kirche', für den sie dankbar sind, ihn in Rom mitzuerleben zu können. Die beiden nächsten Tagen widmen sich aber in den Klein- und Sprachgruppen zunächst wieder den Themen des II. Teils des Arbeitspapieres, für den bis Mittwoch je Sprachgruppe wiederum ein Bericht erstellt und im Synodenplenum vorgestellt werden muss.  
 
 


Sonntag, 11. Oktober 2015

Synodenruhetag – mit dem dreifachen Blick Jesu, zwei Stimmungsbildern und einem hoffnungsvollen Ausblick auf mögliche Synodenergebnisse

Der Sonntag ist ein Tag der Ruhe – und anders als am nächsten Wochenende, an welchem dritten Synodensonntag, den 18.10.2015 mit Louis und Zelie Martin, den Eltern der Hl. Therèse von Lisieux, ein Ehepaar heiliggesprochen wird, ist der zweite Synodensonntag auch ohne einen alle Synodalen gemeinsam bindenden Termin. Heute war stattdessen nach den intensiven und beinahe pausenlosen Beratungen zuvor – auch für die deutschen Synodenteilnehmenden – ein Tag des Innehaltens, der Reflexion und Erinnerung wie des Ausblicks.



Schon die kurze Ansprache des Papstes zum Angelus-Gebet geriet mit der Auslegung des Tagesevangeliums zu Mk 10,17-30 – mit offenen Augen und Ohren gehört – nolens volens auch zu einer Kurzfassung des zum Wochenbeginn im Einführungsreferat von Kardinal Erdö zitierten synodalen Dreischrittes der Pädagogik Jesu: Sehen, Mitleid haben, lehren. Dabei benannte Papst Franziskus einen dreifachen Blick der Liebe, der Nachdenklichkeit und der Ermutigung – wie sie im Grunde auch schon die Akzente der liebevollen, sachgerechten und positiv ansetzenden Wirklichkeitswahrnehmung in der ersten Synodenwoche gewesen sind.

Dieser dreifache Blick Jesu findet sich auch in einer Rückschau auf die erste Synodenwoche von Erzbischof Koch, der in einem Interview heute gegenüber der KNA neben dem Blick auf die Nöte der Familien weltweit, eine differenziertere, sachgerechtere Betrachtung anspricht und vor allem auch die positiv ansetzende und ermutigende Wahrnehmung der Zeichen der heutigen Zeit hervorhebt. Für die deutschsprachige Kleingruppe hatte er letzteren Akzent ja auch in seinem Bericht in der Synodenaula vorgetragen, den er heute ebenfalls noch einmal unterstreicht:
 
„Wir waren der festen Überzeugung, dass man nicht nur das Negative sehen darf. Dass wir eine positivere Sprache finden müssen, eine einladende, gewinnende und wertschätzende Sprache, die nicht ausgrenzt, urteilt und richtet."

An einem Sonntag als Ruhetag rücken zugleich auch Eindrücke nach vorne, die wie Stimmungsbilder nachklingen. Pater Bernd Hagenkord SJ, Radio Vatikan, der auch die III. Außerordentliche Bischofssynode verfolgt hat, bringt ein erstes in den folgenden Worten zum Ausdruck:
Die Stimmung ist besser. Es ist schwer, das genau festzumachen, aber es gibt weniger offene Konflikte außerhalb der Aula, weniger Kontroverse, und innerhalb des Saales versuchen alle, konstruktiv und positiv an Positionen zu arbeiten. Natürlich gibt es Auseinandersetzungen, es wäre nach all den Monaten von öffentlicher Debatte auch verwunderlich wenn nicht, aber die Mitglieder der Synode sind sich offensichtlich bewusst, dass es keine weitere Synode zum Thema gibt: Das hier ist es, und der Einsatz ist dementsprechend. Da ist richtig Bewegung drin.“ (Radio Vatikan vom 11.10.2015)

Auch Aloys und Petra Buch, die auf Einladung des Vatikans die deutsche Delegation der Deutschen Bischofskonferenz ebenso ergänzen wie der gewählte Repräsentant der Ordensoberen, Erzabt Jeremias Schröder OSB, berichten von dieser Bewegung: "Hier brennen Themen unter den Nägeln, wie Familie überhaupt noch funktionieren kann unter heutigen Verhältnissen", sagte Aloys Buch in einem Interview der KNA schon zu Wochenbeginn, wohingegen seine Frau Petra nach wie vor „beeindruckt vom Aufruf des Papstes [ist], in aller Freiheit und ohne Angst zu reden". Am Ende der ersten Synodenwoche liegt für das Ehepaar dennoch eine andere Erinnerung obenauf, die mir Aloys Buch am heutigen Sonntagnachmittag in folgendem Stimmungsbild sandte:
 
„Pause der Beratungen. In der Vorhalle der Synodenaula herrscht sehr viel Bewegung – viele kommen aus ganz unterschiedlichen Zugängen, tauchen aus verschiedenen Winkeln und Türen auf. Und sie bewegen sich in vielerlei Richtungen. Gespräche hier und dort, in allerlei Sprachen – nicht gerade jeder mit jedem, aber doch ganz viele in intensivem Austausch. Ein ziemliches Hin und Her, eine eigene Art von ‚buntem Durcheinander‘. Für Farbe sorgen vor allem die geschmückten Talare der Kardinäle und der Bischöfe – aber auch die Krawatten einiger Experten und Auditoren, in ganz besonderer Weise die Frauen. Sie sind wenige, aber sie sind unübersehbar, ähnlich wie Papst Franziskus. Jede und jeder ist irgendwie: mittendrin im unübersichtlichen Getriebe der Vorhalle. Und dann: wie auf ein Zeichen bewegen sich alle wieder zur Synodenaula, plötzlich mit einem gemeinsamen Ziel, jedenfalls auf einem gemeinsamen Weg: zurück in die Aula, wo es für alle weitergeht und irgendwie auch mit allen weitergeht – in Stellungnahmen, Beiträgen, Zeugnissen zu Ehe und Familie. Ebenfalls bunt; jede und jeder in eigener Weise engagiert für das, was alle an diesem Thema bewegt. Ein nachhaltiger Eindruck: man ist wirklich auf dem Weg, mit unterschiedlichen Hintergründen und Einblicken, auch mit Suchbewegungen – aber gemeinsam engagiert für das, was an diesem Thema bewegt. Es ist eben Synode – man ist wirklich auf dem Weg, und zwar in reicher weltkirchlicher Vielfalt.“

Erzbischof Koch blickt an diesem Sonntag ebenfalls mit Hoffnung auf die kommenden zwei Wochen und sagt in Hinblick auf seine Erwartungen an die Synode:
„Ich hoffe, dass es uns gelingt, die Botschaft von Ehe und Familie in einer einladenden Sprache, in einer narrativen, in einer nicht nur juristisch geprägten Sprache zu formulieren. Wichtig ist weiter, dass wir den Menschen gegenüber ein Stück Dankbarkeit und Wertschätzung überbringen.  
Dann erwarte ich mir ein grundsätzliches Wort der Synode zu theologische Grundfragen: Wie kann es sein, dass ein Mensch, dessen Leben Brüche aufweist, etwa wegen einer gebrochenen Ehe - wie kann es sein, dass der ein Leben lang nicht den Zugang zum Tisch des Herrn findet? Denn die Eucharistie ist ja auch eine Feier zur Vergebung der Sünden. Sie ist für Menschen da, die Kraft und eine Aufrichtung brauchen. Ich halte es für notwendig, dass die Synode hierzu ein grundsätzliches Wort sagt. Genauer: dass der Papst sich dazu äußert; denn die Synode ist ja ein Beratungsorgan des Papstes.  
Im Übrigen hielte ich es für gut, wenn man in manchen Fragen die Entscheidung der einzelnen Bischofskonferenz überließe. Ich kann mir nicht vorstellen, dass angesichts der unterschiedlichen Sichtweisen, die ich erlebe, alle Fragen in Rom geklärt werden. […]   Ich hielte es nicht für gut und sinnvoll, eine Synode danach zu bewerten, ob sie 100 Prozent Einigkeit in allen Fragen findet. Wir müssen dem Papst auch die unterschiedlichen Punkte und Sichtweisen vorlegen. Es ist sein schwerer Dienst an der Einheit, das zusammenzuhalten. Aber in wesentlichen Dingen müssen wir natürlich eins sein. Und in wesentlichen und grundsätzlichen Fragen sehe ich auch keine Diskrepanz." (Domradio vom 11.10.2015)
 
Die letzten Sätze greifen bereits auf die Fortsetzung der Generaldebatte Mitte der zweiten Synodenwoche zu dem III. Teil des Instrumentum laboris aus, für dessen breite und vertiefte Diskussion die produktive, von Wertschätzung geprägte Arbeitsatmosphäre, die Erholung an Leib und Seele nach einem Tag der wirklichen Sonntagsruhe und vor allem der dreifache Blick Jesu in Liebe, Nachdenklichkeit und Ermutigung Voraussetzung sein wird.