Donnerstag, 9. Oktober 2014

Dass Papst Franziskus den Friedensnobelpreis verdiente....

Papst Franziskus hätte den Friedensnobelpreis auch verdient gehabt. Frieden hat nach alter Lehre die Eigenschaft Gemeinschaft zu bewirken: Gemeinschaft durch Ausgleich verschiedener Interessen, aber vor allem durch eine Einung vermittelnde Haltung, die in der Liebe gründet und sie ausdrückt. (vgl. STh II-II 29)

                          (Bild: © KNA)



Wer auf das Pressebulletin der Papst Franziskus betreffenden Termine schaut, findet die auf Ausgleich und Einung zielenden Aspekte auf allen Ebenen selbst in dieser Synodenwoche: Im vermittelnden Gespräch mit Verantwortlichen verschiedener Krisenregionen (und ich erinnere nah das Friedensgebet am Pfingstsonntag diesen Jahres in Folge der Nahostreise oder in der Syrienkrise des letzten Jahres, das ich selbst auf dem Petersplatz erlebte), in dem leidenschaftlichen Appell für die Einung der getrennten christlichen Kirchen wie auf der Generalaudienz am Mittwoch (und lässt mich gerade an das bewegende Grußvideo von Papst Franziskus an die American Pentecostal Conference denken) und in dem ausgleichenden Zulassen und Fördern der engagierten Suche nach den Wegen der Kirche angesichts der heutigen 'Pastoralen Herausforderungen der Familie'. Für alle diese auf Eintracht und Einvernehmen zielenden Felder braucht es – wie oben gesagt – einer einenden Friedenskraft, die bei Franziskus in der Botschaft von der barmherzigen, den Menschen bedingungslos suchenden Liebe Gottes besteht, die auch den Armen, Unterdrückten und mundtot Gemachten eine Stimme verleiht.

Diese Gedanken mit Rückblick auf den vierten Synodentag zu schreiben, an dem die hochsensiblen Themen von Ehe und Familie in schwierigen Lebenssituationen und der Fragen von (Homo)Sexualität bis hin zur Empfängnisregelung anstanden (auch wenn die Tagesordnung etwas im Verzug ist) macht schon deshalb Sinn, weil nichts von einem 'Krieg der Theologen' mehr wahrzunehmen und alles einer konstruktiven Atmosphäre gewichen ist, in der unter den Synodalen „kontrovers debattiert, ohne Polemik und respektvoll, aber durchaus klar und deutlich“ miteinander gesprochen wird. Die zum Teil konträren bis sich widersprechende Positionen sind in den Austausch gebracht, für den man – um den Wortsinn der Synode zu bemühen – unbedingt ''zusammenkommen' und frei sprechen muss (und nicht nur vorbereitete Redetexte zur Kenntnis gibt). Um das – wie sich zeigte weltweit unter den Nägeln brennende – Thema der Zulassung zu den Sakramenten unter einigen anderen hervorzuheben:
"Es habe [hierzu]  in der Debatte zwei Linien gegeben, erläuterte Lombardi vor Journalisten. Die eine habe mit großem Nachdruck darauf hingewiesen, dass "mit Rücksicht auf die Lehre und in Treue zum Wort Gottes" eine Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion nicht möglich sei. Eine andere Linie habe - "ohne die Unauflöslichkeit der Ehe" infrage zu stellen - dafür plädiert, mit Barmherzigkeit und unter Berücksichtigung des konkreten Einzelfalls vorzugehen." (Ebd.) 
Und dennoch sind viele Änderungen schon deutlich herauszulesen und zu hören, die vielleicht in der Fixierung auf eine in dieser vorbereitenden Synode gar nicht endgültig zu klären anstehende Frage nicht richtig aufgemerkt werden. Etwa, dass der Begriff der 'irregulären Beziehungen' an dem sich bei der Kölner Umfrage beinahe alle Befragten gestoßen haben, zwar noch im 'Instrumentum laboris' aufgeführt wird, aber in der noch nicht endgültigen, aber doch einzigen Zusammenfassung des entsprechenden Nachmittags jetzt fehlt. Statt dessen wird – anders ich in meinem Beitrag vom 4.10.2014 als geltende Lehrmeinung beschrieben habe – , darauf Wert gelegt, dass es im Blick auf wiederverheiratet Geschiedene „wichtig ist, mit höchster Aufmerksamkeit zu vermeiden, kein moralisches Urteil oder von einem 'Verharren in einer Sünde' zu sprechen...“ (priv. Übersetzung). Die neue Sprache, die mehr ist als nur ein Ton, macht die Musik, ja lässt eine völlige Neukomposition erahnen, die sich nicht einfach an einem Nachmittag schreiben, komponieren oder auch schon konzertieren könnte.

Ein weiteres Beispiel für eine veränderte Sicht auf die Sexualität – ohne der gestern auf durch die vorgenannten Themen etwas in Verzug geratenen Diskussion und Zusammenfassung der Ergebnisse zu den Themen Empfängnisregelung (über das Einführungsreferat des Pariser Kardinals Vingt-Trois hinaus) vorweg zu greifen kann gelten, dass der Begriff Sexualität es schon unter die 'Top 5' der ersten Synodentage gebracht hat, wie das folgende Video über die fünf Hauptthemen zeigt. Das mag dem zu nahe im Geschehen wie dem außen Stehenden nicht so auffallen. Wenn man aber weiß und auf sich wirken lässt, dass der Begriff 'Sexualität' als solcher bislang in den kirchlichen Lehrschreiben fehlt weder in der Pastoralkonstitution 'Gaudium et spes' noch in der doch das Thema wie keine zweite umkreisenden Enzyklika 'Humanae vitae' –, lässt dies doch auch hier eine neue Seite erkennen. Und was mit der am Dienstag angesprochenen 'Spiritualität der Sexualität' gemeint sein könnte, brachte das australische Ehepaar für die Konzilsaula ins Schwingen und möge über den kurzen 'Spirituellen Moment' auf der Homepage 'Familienspiritualitaet.de' kurz anklingen.

Was sich darin zeigt, was auf dieser Synode passiert ist, sagte in der heutigen Pressekonferenz der Synode Erzbischof Durocher, „dass wir einen mehr induktiven Weg der Reflexion wählen, beginnend bei den realen Situationen und darin entdeckend, dass in der gelebten Erfahrung auch schon eine theologische Quelle wahrnehmbar ist, ein Ort theologischer Reflexion.“ (Pressekonferenz vom 9.10.14, priv. Übersetzung)

Nicht ein Kampf zwischen den Menschen und Prinzipien, sagte er, sondern, dass die Bischöfe vielmehr lehren die Erfordernisse von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit enger zueinander zu bringen in Bezug auf die 'im Himmel geschlossene Ehe'. Und mit einem feinen Wortspiel sprach der Vorsitzende der Kanadischen Bischofskonferenz "von einer Hochzeit von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, die in Gott vollkommen ist, aber für uns hart zu erreichen ist, sosehr wir danach streben müssen.“ (Ebd.) 

"A marriage of justice and mercy - God is perfectly just and perfectly merciful, it's just hard for us to do the same, but we must strive to do that." (Ebd.)

Und diese bestmögliche Einung zu einem Frieden von und in Gerechtigkeit und Barmherzigkeit auf Erden wird – auf allen Seiten –  in der Person von Papst Franziskus gesehen. Dass diese Frage "gestellt und offen ist" – und zu einem 'synodalen Prozess' in den nächsten 12 Monaten einlädt, "ist schon ein gutes Ergebnis“, ist ein außerordentliches Ergebnis einer außerordentlichen Bischofssynode, für das allein schon Papst Franziskus den Friedensnobelpreis verdient gehabt hätte.



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